Jack-a-lynn hat geschrieben:
Den einen amüsierts. Der andere ärgert sich - und auch das sollte man tolerieren.
Hast ja recht, ich möchte auch keinem seine Freude an den aktuellen Tulls vermiesen, ich hab mich nur über den
ian.gast hat geschrieben: Unfug
zu einem wirklich interessanten Beitrag geärgert.
Der "neue" Flötenstil Andersons geht ja auf das Jahr 1993 zurück, in dem ihm seine Tochter erklärte, dass er eine falsche Grifftechnik verwende. Daraufhin hat er sich die korrekte angeeignet, was ja auch nichts verwerfliches ist und er so auch einige neue Klangnuancen zu seinem Spiel hinzufügen konnte.
Nur: Ians autodidaktisches Spiel hatte eben etwas ganz Eigenes, hauptsächlich auf einer eigenen perfekten Atem- und Zungenrhytmik basierend.
Sein Ton war noch nie schön oder rund, geschweige denn perfekt. das ist er auch nach seinen Flötenstunden anno 93 nicht gerworden.
Ian war aber so stolz auf seine neu erlenten Kunststücke, dass er sie gleich in Divinities präsentieren musste. Obwohl Divinities noch ganz gefällig daherkommt und als kleine Abwechslung auch nett war, dachte ich gleich damlals nach dem ersten Hören: Schuster bleib bei deinem Leisten!
Es besteht ein himmelweiter Unterschied zwischen hier und da mal ein paar Streicher (sogar oft synthetische) unter eine nette Flötenmelodie zu legen und wirklich "klassischer" Musik. Es reicht einfach nicht, die gleiche kleine Melodie zig mal zu wiederholen und bei jedem Mal ein paar andere Instrumente oder Sounds dazuzumischen.
Als ich dann das erste Mal 1998 "Boris Dancing" auf der deutschen Convention hörte dachte ich: "Och nöö, schon wieder so ein Gedudel mit rhythmischen Tricksereien, die dem Kern der Musik aber nichts wesentliches hinzufügen. Es ging weiter mit "Eurolgy" und jetzt gibt's sowas nur noch: Donkey and the Drum, Birnam Wood to...
Schlimmer sind dann nur noch die
strange avenue hat geschrieben: Schmalzstullen
neueren Datums wie Moz' Art Medley, America etc. Das ist nun wirklich eine Vergewaltigung großer Komponisten nach (Achtung! Überspitzung!) Richard Clayderman, Andrè Rieu Manier.
Die fehlende Tonschönheit in Ians Spiel macht die Sache auch nicht wertvoller. Man höre sich mal die Aufnahme von "Griminelli's Lament" auf der "I.A. Plays The Orchestral" an. Die nun wirklich nicht famose und nicht famous Duettpartnerin an der zweiten Flöte, gibt eine Ahnung davon, wie dieses Stück wirklich klingen könnte. Von wirklich guten famous klassischen Flötisten mal ganz zu schweigen.
Überhaupt hinterlässt dieses ganze Orchester-Projekt aus den gleichen Gründen auch einen fahlen Nachgeschmack. Ein paar Orchesterinstrumente zu vorhanden Rockmelodien hinzuzufügen, macht keine bessere Musik aus den Melodien, die eigentlich für einen anderen Kontext gedacht waren. Schuster bleib... Da ich in meinem Leben weit mehr klassische Konzerte und Opern (da dürften einige Hundert zusammenkommen) als Rockkonzerte besucht habe, hinterlassen die I.A. Orchestral Sachen einen Eindruck von nettem, etwas kitschigem Kunsthandwerk, jedoch nie von Kunst! Dazu kommt noch der erschwerende Umstand, dass verstärkte Orchesterinstrumente (zumal hier noch nicht mal mit Mikrofonen, sondern Tonabnehmern, brrr!) für mich wie Pornofilme gucken wirkt, wenn man doch echten Sex haben könnte.
Also, lieber Ian und die, die es mögen: Mal zur Abwechslung und aus Spaß mag es ja nett gewesen sein, aber bitte nicht andauernd, alter Schuster.
Weiter: Die gräuslichen, 1993 lieblos dazu gespielten Flötenoverdubs in den "Chateau"-Aufnahmen sind ja nun wirklich unschwer herauszuhören und haben auch mir schon immer das Hören dieser Songs schwer erträglich gemacht, zumal ich das Vergnügen hatte, ein paar von ihnen 1973 live zu hören. Also lieber Herr Avenue: sie haben mir aus tiefster Seele gesprochen.
Weiter: Tull als Band ohne Evans und Barlow gab es nicht mehr. Ob die Magie allerdings mit diesen hochgeschätzten Herren noch endlos angehalten hätte, liegt im Reich der Spekulation.
Also, falls sich jemand ganz doll beleidigt fühlt, bitte ich um Entschuldigung, aber bitte auch nicht durchdachte Kritik als
ian.gast hat geschrieben: Unfug
abtun.
Schrittmacher
Zeh.